Auryn Quartett  

Zum Konzert am 18. November 2015

Das Streichquartett ist „die edelste Formgattung nicht nur der Kammermusik ..., sondern der Instrumentalmusik überhaupt, ... die vorzugsweise den Sinn für die Tonkunst hebt, bildet, verfeinert und mit den kleinsten Mitteln das Höchste bietet.“ 

Hundert Jahre vor diesem Zitat wurde diese Kompositionsgattung von Joseph Haydn ins Leben gerufen mit nicht weniger als 68 (!) Quartetten. Im 20. Jahrhundert setzten vor allem die 15 Streich­quartette von Schostakowitsch Maßstäbe, allen voran das Quartett Nr. 8, sein vielleicht autobiographischstes Werk, das heute zu den meistgespielten Streichquartetten überhaupt gehört. Auch Maurice Ravels Streichquartett F-Dur, von Vertretern der „alten Schule“ wie Gabriel Fauré noch abgelehnt, von Kollegen wie Claude Debussy begeistert gefeiert, erlangte weltweit große Popularität.  

Erstklassige Musik zum Abschluss der Kammermusik-Jubi­läums­reihe 2015, dargeboten von einem der international renommiertesten Streichquartett-Ensembles unserer Tage: Dies empfinden wir – die Kammermusikfreunde Minden – als ein ganz besonderes Geschenk für uns und unser geschätztes Publikum!


1981 entschlossen sich vier junge Musiker, ihren künstlerischen Weg fortan als Streichquartett gemeinsam zu gehen. Schon im darauf  folgenden Jahr war das Auryn Quartett beim renommierten ARD­ Wettbewerb in München und beim internationalen Streichquartett­wettbewerb in Portsmouth erfolgreich.  

Die Spielweise des Auryn Quartetts wurde zunächst durch das Studium beim legendären Amadeus Quartett in Köln geprägt. Hier galt das Prinzip eines homogenen, vom leicht dominierenden Oberglanz der ersten Geige gekrönten Ensembleklangs. Während eines Studienaufenthaltes beim Guarneri Quartett dagegen legte man größeres Gewicht auf Transparenz, Trennschärfe und Individualität der Stimmen. Der Ausgleich zwischen diesen höchst gegensätzlichen Musizieridealen wurde zur Feuerprobe für das Auryn Quartett, das nach seiner Rückkehr aus den USA rasch in die Spitzengruppe der internationalen Quartettszene aufrückte. Seither hat das Auryn  Quartett nahezu die gesamte Quartettliteratur bis in die Moderne hinein erarbeitet, dazu bedeutende Ur- und Erstaufführungen. Kaum ein anderes Quartett hat ein derart breites Repertoire. Eigene Konzertreihen mit der Kammermusik Mendelssohns und  Schumanns in  Düsseldorf,  die Aufführung aller 68 Streichquartette Haydns im Sendesaal des WDR in Köln und in Padua, sowie zuletzt des Beet­hovenzyklus' in der Wigmore Hall in London belegen dies eindrücklich. Ebenso dokumentieren eine Vielzahl preisgekrönter Aufnahmen beim Label TACET den hohen künstlerischen Rang des Ensembles.   

Zu den hoch gelobten Gesamteinspielungen der Streichquartette von Beethoven und Brahms kommen momentan die Aufnahmen sämtlicher Streichquartette Ioseph Haydns. Gleich die erste CD dieser Serie, Haydns Opus 1, wurde mit einem ECHO Klassik, die Gesamteinspielung mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik" 2011 ausgezeichnet.   

Ein weiterer Beleg für die große Anerkennung, die dem Quartett zuteil wird, sind die vier herausragenden Instrumente, die den Musikern zu Verfügung gestellt wurden. Jedes dieser Instrumente  war auch früher schon in berühmten Streichquartettformationen zu  hören: Matthias Lingenfelder spielt eine Stradivari von 1722 die Joseph Joachim gehörte, Jens Oppermann die Petrus Guarneri vom  Amadeus Quartett, Stewart Eaton eine Amati von 1616 (Koeckert  Quartett) und Andreas Arndt das Niccolo Amati Cello aus Hindemiths Amar Quartett. 

 Das Ensemble konzertiert regelmäßig auf den großen Konzert- und Festspielpodien, wie z.B. mit dem Wiener Musikverein, der Carnegie Hall und dem Lincoln Center in New York, der Wigmore Hall in London und dem Concertgebouw in Amsterdam. Dazu kommen zahlreiche Festivals wie Luzern, Edinburgh und Salzburg. oft zusammen mit Künstlern wie Menahem Pressier, Nobuko Imai, Jörg Widman, Sharon Kam, Tabea Zimmermann, Christine Schäfer und Peter Orth. Seit 2010 hat das Quartett die künstlerische Leitung des Kammermusikfestivals Mondsee übernommen. Seit 2003 geben die Mitglieder des Auryn Quartetts ihre Erfahrungen als Professoren der Detmolder Musikhochschule weiter.